48 Stunden ohne Landstrom

Ein Stromtagebuch für einen sehr normalen Kurztrip

Gedankenprotokoll. Kein Feldtest. Die Verbrauchswerte des eigenen Fahrzeugs und der eigenen Geräte müssen vor einer echten Planung aus deren Unterlagen oder Messwerten kommen.

Freitag, 17:42

Ankunft.

Zwei Nächte.

Sonntag nach dem Mittagessen wieder weg.

An der Rezeption kommt die Frage:

„Mit Strom?“

Man schaut zur Stromsäule.

Dann ins Fahrzeug.

Und plötzlich fühlt sich eine Wochenendreise an wie die Planung eines Rechenzentrums.

Wir sagen fürs Gedankenexperiment:

Nein. Erst einmal ohne.

Nicht weil Landstrom schlecht wäre.

Sondern weil wir wissen wollen, ob wir ihn für diesen Trip überhaupt benötigen.


Freitag, 18:05

Erste Bestandsaufnahme.

Zwei Smartphones.

LED-Licht.

Wasserpumpe.

Kühlschrank.

Heizung beziehungsweise deren elektrische Nebenverbraucher, falls sie bei diesem Fahrzeug benötigt werden.

Sonst nichts Besonderes.

Kein Föhn.

Keine elektrische Kochplatte.

Kein Wasserkocher.

Keine Espressomaschine mit beruflichem Ehrgeiz.

Das ist wichtig.

Denn die Frage „Brauche ich Landstrom?“ wird nicht vom Campingplatz beantwortet.

Sie wird von den Verbrauchern beantwortet.

promobil formuliert es in einem aktuellen Autarkie-Beitrag ähnlich: Energie ohne Landstrom ist begrenzt; effizient betriebene 12-V-Verbraucher können die vorhandene Bordenergie deutlich besser nutzen als der Umweg über 230 Volt.


Freitag, 22:31

Telefone geladen.

Licht an.

Kühlschrank läuft.

Alles unspektakulär.

Genau hier entsteht ein klassischer Fehlkauf.

Ein Wochenende funktioniert vier Stunden lang gut.

Also beginnt jemand, eine Solaranlage zu recherchieren.

Camping hat eine merkwürdige Beziehung zur Vorsorge.

Ein Problem, das noch nicht eingetreten ist, kann bereits einen Warenkorb besitzen.

Wir warten.


Samstag, 07:18

Die Nacht war kalt.

Jetzt wird die Energiebilanz interessanter.

Nicht jede Heizung benötigt dieselbe elektrische Unterstützung, und nicht jeder Kühlschrank arbeitet gleich. Ein Sommerwochenende mit wenig Heizbedarf ist energietechnisch eine andere Reise als ein kaltes Herbstwochenende.

Genau deshalb sind Aussagen wie

„Mit 100 Ah kommst du zwei Tage“

ohne Fahrzeug, Batterietyp und Verbraucher nur Folklore mit Einheit.

Die richtige Grundrechnung ist langweilig:

Verbrauch über Zeit.

Nicht Gerätezahl.

Ein Verbraucher mit geringer Leistung, der sehr lange läuft, kann wichtiger sein als ein Gerät, das kurz viel Leistung verlangt.

Und manche hohen 230-V-Verbraucher ändern das System sofort.

Ein im September 2026 erschienener promobil-Langzeittest zu Powerstations beschreibt genau diese Grenze: Für leistungsstarke 230-V-Verbraucher wird Landstrom oder eine entsprechend geeignete Wechselrichter-/Speicherlösung relevant.


Samstag, 11:52

Die Telefone sind noch nicht das Problem.

Das ist fast enttäuschend.

Man hatte sich die Autarkiefrage größer vorgestellt.

Vielleicht brauchen wir also eine Powerstation.

Moment.

Eine Powerstation ist kein Synonym für „ohne Stromsäule“.

Sie ist ein Speicher.

Ob man sie braucht, hängt davon ab, ob die vorhandene Bordversorgung die tatsächliche Aufgabe bereits löst.

Und ihre aufgedruckte Kapazität ist nicht vollständig als Nutzenergie verfügbar. Im ADAC-Test lag die praktisch nutzbare Nettokapazität der getesteten Powerstations im Schnitt gut 10 bis 15 Prozent unter der angegebenen Bruttokapazität; laufende Elektronik und insbesondere der Wechselrichter erzeugen weitere Verluste.

Deshalb ist

„Dann kaufen wir einfach 1.000 Wh“

noch keine Energieplanung.

Es ist zunächst eine Zahl mit Tragegriff.


Samstag, 15:10

Jetzt kommt Solar ins Gespräch.

Die Sonne scheint.

Natürlich.

Sie scheint besonders zuverlässig in Gesprächen über Solaranlagen.

In der echten Planung ist Solar eine mögliche Nachladung, keine garantierte Tagesration.

Für diesen 48-Stunden-Test brauchen wir es vielleicht gar nicht.

Wenn der vorhandene Speicher bis Sonntag reicht, löst ein Solarpanel kein Problem.

Es erweitert lediglich ein System, das diese Reise bereits schafft.

Das kann sinnvoll sein.

Später.

Für längere Aufenthalte.

Für andere Jahreszeiten.

Für andere Verbraucher.

Aber genau darum geht es:

Kurztrip und Langzeitautarkie sind nicht dieselbe Aufgabe.


Samstag, 20:44

Jetzt möchte jemand einen Föhn benutzen.

Damit hat der Föhn eine wichtige redaktionelle Funktion erfüllt.

Er hat die Energiearchitektur sichtbar gemacht.

Leistungshungrige 230-V-Geräte können aus einem sehr einfachen Wochenende plötzlich eine ganz andere elektrische Aufgabe machen. Eine aktuelle promobil-Untersuchung zu Camping ohne Landstrom stellt genau die Frage, ob eine Powerstation eine sinnvolle Ergänzung beziehungsweise Alternative sein kann – abhängig von den tatsächlichen Verbrauchern und der gewünschten Autarkie.

Man kann daraus zwei Schlüsse ziehen.

Powerstation kaufen.

Oder Föhn nicht benutzen.

Der zweite hat eine bemerkenswert gute Leistungsdichte pro Euro.


Sonntag, 08:03

Noch Strom.

Das ist angenehm.

Aber kein Beweis dafür, dass dein Fahrzeug 48 Stunden schafft.

Es beweist nur, dass unser Gedankenexperiment so konstruiert war.

Deine Rechnung beginnt deshalb nicht mit:

„Welcher Akku?“

Sie beginnt mit einer Inventur:

Welche Verbraucher laufen?

Welche davon laufen lange?

Welche benötigen zwingend 230 Volt?

Welche besitzen bereits eine geeignete Bordversorgung?

Wie viel nutzbare Energie steht im konkreten System tatsächlich zur Verfügung?

Welche Nachladung findet während der Reise statt?

Und welche Reserve möchtest du am Sonntagmorgen noch sehen?

Das ist die Autarkierechnung.

Alles andere ist Shopping mit Mathematikdekoration.


Sonntag, 13:26

Abfahrt.

Das CEE-Kabel lag die ganze Zeit im Fahrzeug.

Es war trotzdem richtig, es mitzunehmen.

Denn auf einem Platz Landstrom zu nutzen, wenn man ihn braucht oder haben möchte, ist keine Niederlage gegen die Wildnis. Campingplätze nutzen dafür typischerweise die dafür vorgesehenen CEE-Anschlüsse; aktuelle ADAC/PiNCAMP-Hinweise beschreiben diese Infrastruktur und die entsprechenden Sicherheitsanforderungen.

Wir haben nur gelernt:

Verfügbarkeit ist nicht Bedarf.

Für einen Kurztrip mit überschaubaren Verbrauchern kann die vorhandene Bordenergie reichen.

Für dasselbe Fahrzeug im Winter, mit mehr Technik oder längerem Stand kann die Antwort kippen.

Darum würde ich vor dem nächsten Wochenende keine größere Batterie bestellen.

Ich würde denselben Trip noch einmal beobachten.

Wenn Strom jedes Mal knapp wird, haben wir ein echtes Problem.

Dann lohnt Technik.

Bis dahin bleibt der teuerste Gegenstand im Energiesystem vielleicht derjenige, den wir aus Angst vor einem Stromproblem kaufen, das unsere Reise gar nicht hat.

Sonntag, 13:31
CEE-Kabel: unbenutzt.
Urlaub: trotzdem vollständig.


Quellen & Stand

Quellen geprüft: 01.10.2026